Archiv für März 2011

Multimediakundgebung letzten Freitag

Für den 25.03. hatten wir zu einer Soli-kundgebung auf KalkPost, einem Platz im multikulturellen Stadtteil Kalk in Köln, eingeladen. Ab ca 19h zeigten wir Videos und Bilder zu den Aufständen im Iran, aber auch in Libyen, Yemen, Syrien und Bahrain.
Mit den Aufständen in der arabischen Welt ist die einseitige Fokussierung auf den Iran obsolet geworden. Diesem Umstand müssen wir Rechnung tragen.
Die Aktion hat ganz gut funktioniert, mit Infostellwänden und Transpis dekoriert und der aufgebauten Leinwand inklusive Sitzgelegenheiten sah der Platz ziemlich einladend aus und viele bliebe stehen, um sich zu informieren, Vidoes zu schauen und Reden zuzuhören.
Hier ein Indymediabericht.

Next:

kundgebung in köln freitag 25. märz 2011

Tunesien, Ägypten, Libyen — diese Bezeichnungen stehen im Jahre 2011 für Aufstände und Revolutionen gegen Langzeitdiktatoren aus Nordafrika und dem Nahen Osten. Ausgerechnet dort, wo das Denkmuster des »Arab Exceptionalism« Analysen von links nach rechts in absoluten Schubladen operieren lässt, muckt vor allem eine junge Generation jetzt so dermaßen auf, dass Revolutionsromantiker_innen aus Europa wie wir nur neidisch sein können.

Woher kommt diese Explosion ? Klar, zum einen aus einer gehörigen Portion Spontaneität. Zum anderen aber eben auch aus kontinuierlichem Elendsdasein en masse. Denken wir beispielsweise an 2009, so denken wir an die »grüne Bewegung« im Iran, die bereits aus existienzieller Verzweiflung heraus sehnsüchtige Hoffnungen auf den Sturz einer der widerwärtigsten Regimes im gesamten Raum letztendlich leider nicht realisieren konnte. Doch die Impulse bedingen sich wechselseitig, und nun — in der Zeit der »arabischen Revolte« — regt sich auch im Iran erneuter Protest — radikaler als je zuvor in der Geschichte dieser Bewegung. Wer sich noch ernsthaft Reförmchen wünscht, der ist wohl auf dem falschen Dampfer; »Where is my vote?« ist längst out —  es wird kaum gebeten, gewünscht, sondern im großen Stil nach dem großen Ganzen verlangt: »Fuck the system !« steht endlich auf der Tagesordnung!

Wir laden ein, sich gemeinsam mit uns der alt​bekannten Frage »Was ist los im Iran?« zu nähern. Auf einer multimedialen Kundgebung wollen wir neben dem üblichen Gemisch aus Redebeiträgen zudem einen digitalen Einblick in die aktuelle Situation des Landes, dass von der Islamischen Republik beherrscht wird, gewähren. Doch dieses Mal steht die Frage nach der Situation im Iran nicht isoliert; sie muss in einem größerem Kontext — nämlich der aktuellen Widerstandsserie im » arabischen Raum « — betrachtet werden. Wir bleiben dabei — so oder so und jetzt erst recht:

Nieder mit der Islamischen Republik! Marg bar Jomhuriye-Eslami

Gefängnismassaker in Ghezel Hesar

Bei einem Aufstand von 3000 Inhaftierten gegen die Hinrichtung von 10 Gefangenen sind 14 Gefangene getötet und 33 verletzt worden. Genaueres noch unbekannt:

Fourteen prisoners were killed and 33 injured in an incident at an Iranian jail Wednesday, that state TV said was a brawl among inmates but which one news agency said was a foiled escape attempt, reports Reuters.
(Quelle: http://signalfire.org/?p=8640)

----- eine andere Quelle spricht von 150 Toten und Verletzten.

GHEZILHESAR, Iran, — The prisoners held in Qzilhasar detention were parked into a violent clash with the prison’s officials once they heard of the death sentence given to 10 prisoners, report said today.

Following the circulation news of the death sentence given to 10 people in the Qzilhasar’s prison, the prisoners proved into a violet clash resulting in 150 dead and injured.

According to the reports, the prisoners held in the 2-3 compartments staged a hunger strike on 15th to prevent the execution of the 10 detainees.

Three thousands prisoners protested against the execution of these 10 detainees and all shouted “executions must be halted”, report said.

Following the initial stage of the protest, Special Forces employed in the prison attacked the demonstrators and bloody clashes were followed.

To disperse the protesting prisoners, the Special Forces opened fires on the crowd of prisoners, killing and wounding at least 150 people.

Quelle: Rojhelat. http://english.rojhelat.eu/middle-east/1064-massacre-in-iranian-prison-150-killed-and-injured

News zu Čahâršanbeh Suri

Am Abend des 15. März begann Čaharšanbe Suri, das Feuerfest eine Woche vor Noruz (persisches/kurdisches Neujahr), das im letzten Jahr in einer Fatwa von Khamenei als „wider die (islamische) Vernunft“ denunziert wurde.
Trotz der Illegalisierung von Pyrotechnik und schweren Strafandrohungen[i] donnerte es die ganze Nacht, flammten die Barrikaden[ii] und wurden Porträts mit den Antlitzen von Khamenei und Khomeini verbrannt[iii]. Nicht nur in Teheran, Mashad, Isfahan und Shiraz, auch etwa in Abadan, Ardabil, Ahvaz, Babol, Borujerd, Bushehr, Gorgan, Hamedan, Karaj, Kerman, Kermanshah, Najafabad, Rasht, Sanandaj, Tabriz und Zahedan wurde getanzt[iv], sich den Regimemilizen erwehrt[v] und regimefeindliche Parolen in die Nacht gebrüllt (wie „Tod Khamenei“[vi], „Nicht Gaza, nicht der Libanon, unser Leben für den Iran“[vii], „Mubarak, Ben Ali, nun Seyed Ali“, und „Tod der Herrschaft des Klerus“[viii]).
(Quelle: freeirannow)

[i]http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iran/8379823/Iran-clamps-down-on-ancient-spring-festival-fearing-it-could-spark-off-political-protests.html

[ii]http://www.youtube.com/watch?v=x1IUdXgD0Dk

[iii]http://www.youtube.com/watch?v=11AbtiRQqXI

[iv]http://www.youtube.com/watch?v=VdLPEmOWvoc

[v] http://www.youtube.com/watch?v=LGvwhYEAwvE

[vi] http://www.youtube.com/watch?v=3d563LJm0aI

[vii] http://www.youtube.com/watch?v=6PySJl6htS4

[viii] http://www.youtube.com/watch?v=dYZlEttHiM4